Hammer
Die theologische Analyse des biblischen Begriffs Hammer offenbart eine reiche Vielfalt von Bedeutungen und Anwendungen, die die Schriften vom Alten bis zum Neuen Testament durchziehen. Aus konservativ-evangelischer protestantischer Perspektive ist der Hammer nicht bloß ein Werkzeug oder eine Waffe, sondern ein mächtiges Symbol für Autorität, Macht, Gericht und sogar das verwandelnde Werk Gottes. Diese Studie zielt darauf ab, seine konzeptionelle Entwicklung, seine semantischen Nuancen und seine tiefgreifenden doktrinären und praktischen Implikationen für den christlichen Glauben zu erkunden, stets verankert in der biblischen Autorität und der Zentralität Christi.
Die Symbolik des Hammers ermöglicht es uns, Aspekte der göttlichen Majestät zu betrachten, die zugleich ehrfurchtgebietend und erlösend sind. Er spricht von einem Gott, der nicht nur erschafft und erhält, sondern auch die Sünde richtet, menschliche Halsstarrigkeit zerbricht und Sein Volk für Seine Zwecke formt. Durch diese Linse verstehen wir besser Gottes souveränes Handeln in der Heilsgeschichte und im Leben des einzelnen Gläubigen.
Die reformierte Theologie, mit ihrer Betonung der Souveränität Gottes und der totalen Verdorbenheit des Menschen, findet im Symbol des Hammers eine kraftvolle Illustration der Notwendigkeit des göttlichen Eingreifens, um die Härte des menschlichen Herzens zu zerbrechen und den Glauben aufzubauen. Diese Analyse wird daher versuchen, den Weg des biblischen Hammers nachzuzeichnen, seine Bedeutungsschichten zu enthüllen und seine Wahrheiten auf das Leben der Kirche und des Einzelnen anzuwenden.
1. Etymologie und Wurzeln des Hammers im Alten Testament
Im Alten Testament wird das Konzept des Hammers durch verschiedene hebräische Wörter ausgedrückt, jedes mit seinen eigenen Nuancen, aber alle auf die Idee von Kraft, Aufprall und Verwandlung hinweisend. Die wichtigsten sind maqqabah (מַקָּבָה), das sich auf einen Steinmetzhammer oder ein Werkzeug zum Brechen von Steinen bezieht, und patish (פַּטִּישׁ), das einen Schmiedehammer oder Vorschlaghammer bezeichnet, der stärker mit dem Zerschmettern oder Schmieden verbunden ist. Ein weiterer relevanter Begriff ist maphets (מַפֵּץ), was "Zerstörer" oder "Kriegshammer" bedeutet und häufig in Kontexten der Zerstörung und des Gerichts verwendet wird.
Die Verwendung dieser Wörter im Kontext des Alten Testaments enthüllt ein vielschichtiges Konzept. Der Hammer ist zunächst ein Arbeitswerkzeug, unentbehrlich im Bauwesen und in der Metallurgie. Er bricht, was roh ist, um zu formen, was nützlich ist, wie beim Behauen von Steinen für den Tempel oder beim Schmieden von Metallen. Doch in seiner metaphorischen Bedeutung erlangt der Hammer seine größte theologische Tiefe und symbolisiert die göttliche Macht in Aktion.
1.1 Der Hammer als Symbol für göttliche Macht und Gericht
Eine der eindrucksvollsten Verwendungen des Hammers im Alten Testament findet sich in Jeremia 23:29, wo das Wort Gottes mit einem Feuer und einem Hammer verglichen wird, der den Felsen zerschmettert. "Ist mein Wort nicht wie Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt?" Diese Stelle offenbart die durchdringende und verwandelnde Natur des göttlichen Wortes. Es erleuchtet nicht nur, sondern zerbricht auch die Härte verstockter Herzen und den Widerstand gegen die Wahrheit. Der Hammer des Wortes ist ein Instrument der Überzeugung, das falsche Sicherheiten und Götzen im menschlichen Herzen zerstören kann.
Darüber hinaus wird der Hammer häufig verwendet, um Gottes Macht im Richten und Zerstören von Nationen und Imperien zu symbolisieren. In Jeremia 50:23 wird Babylon, einst ein Instrument von Gottes Gericht über andere Nationen, selbst als "Hammer der ganzen Erde" bezeichnet, der zerbrochen wurde. "Wie ist der Hammer der ganzen Erde abgehauen und zerbrochen! Wie ist Babylon zum Entsetzen unter den Nationen geworden!" Dies veranschaulicht Gottes Souveränität über die Geschichte, der Weltmächte gebraucht und stürzt nach Seinem Willen. Babylon, das einst andere Nationen zerschmetterte, würde selbst zerschmettert werden, und damit zeigen, dass keine menschliche Macht dem Hammer des göttlichen Gerichts widerstehen kann.
1.2 Erscheinungsformen des Hammers in verschiedenen Kontexten
Das Konzept des Hammers erscheint auch in spezifischeren Kontexten, wie in der Erzählung von Jael und Sisera in Richter 4:21, wo Jael einen Zeltpflock und einen Hammer benutzt, um Israels Feind zu besiegen. Obwohl es ein menschlicher Akt ist, wird er als göttlich gelenkt betrachtet und hebt Gottes Eingreifen durch unerwartete Mittel hervor, um Unterdrückung zu zerbrechen und Sein Volk zu befreien. Diese Erzählung veranschaulicht, wie Gott bescheidene Werkzeuge verwenden kann, um große Taten zu vollbringen und die Feinde Seines Bundes zu zerschmettern.
In Jesaja 41:7 wird der Hammer im Kontext der Götzenverehrung erwähnt, wo Handwerker Hämmer verwenden, um Götzen zu formen, aber diese Götzen sind ohnmächtig. Dies kontrastiert die Nutzlosigkeit der von Menschenhänden gemachten Götter mit der Macht des wahren Gottes, dessen Hammer jeden Anspruch auf Göttlichkeit zerbrechen kann. Die fortschreitende Offenbarung im Alten Testament zeigt den Hammer als ein beständiges Symbol für Gottes unerschütterliche Macht, die sowohl das Böse zerstört als auch Seine Gerechtigkeit und Souveränität über die gesamte Schöpfung und die Menschheitsgeschichte etabliert.
2. Der Hammer im Neuen Testament und seine Bedeutung
Im Neuen Testament ist das direkte griechische Wort für Hammer (sfyra, σφύρα) in metaphorischen Kontexten bemerkenswert selten. Dennoch bleiben das theologische Konzept und die symbolische Funktion des Hammers aus dem Alten Testament — als Instrument der Macht, des Gerichts, der Zerstörung des Bösen und des Aufbaus — vollständig erhalten und werden intensiviert, indem sie in der Person und dem Werk Jesu Christi zentriert werden. Die Abwesenheit des wörtlichen Begriffs bedeutet nicht die Abwesenheit des Konzepts; vielmehr sind die Macht und das Gericht, die der Hammer darstellte, nun in Christus personifiziert und erfüllt.
Das Neue Testament betont Christi Autorität, die Herrschaft der Sünde, des Todes und des Satans zu zerbrechen. Er ist die Erfüllung von Gottes Verheißung, den Kopf der Schlange zu zerschmettern (1. Mose 3:15). Christi Werk am Kreuz und in der Auferstehung stellt den entscheidenden Schlag dar, der die Macht des Bösen bricht und das Reich Gottes errichtet. So manifestiert sich die Symbolik des Hammers auf tiefere und soteriologischere Weise im Neuen Testament.
2.1 Das Werk Christi als göttlicher Hammer
Obwohl das Wort Hammer nicht direkt für Christus verwendet wird, wird Sein Werk in Begriffen beschrieben, die die Aktion eines Hammers widerspiegeln. Jesus kam, um "die Werke des Teufels zu zerstören" (1. Johannes 3:8), ein Akt, der ein Zerschmettern, ein Zerbrechen der Macht des Feindes impliziert. Seine Autorität über Dämonen, Krankheiten und sogar den Tod demonstriert eine Macht, die die Ketten der geistlichen und körperlichen Knechtschaft zerbricht. Die Auferstehung Christi ist der letzte Schlag, der Hammer, der den Tod zerschmetterte und den Weg zum ewigen Leben öffnete (1. Korinther 15:54-57).
In Matthäus 21:44 spricht Jesus vom Eckstein, der, wenn er auf jemanden fällt, "ihn zermalmen wird". "Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen." Dieses kraftvolle Bild, obwohl es das Wort Hammer nicht verwendet, vermittelt dieselbe Idee einer zerschmetternden und verwandelnden Macht. Christus, der Eckstein, ist der Treffpunkt von Glaube und Gericht für diejenigen, die Ihn ablehnen; Er wird zu einem Hammer des Gerichts, aber für diejenigen, die an Ihn glauben, ist Er das feste Fundament der Erlösung und des Aufbaus.
2.2 Kontinuität und Diskontinuität des Konzepts
Es gibt eine klare Kontinuität zwischen dem Alten und dem Neuen Testament hinsichtlich des Konzepts der göttlichen Macht und des Gerichts. Der Gott des Alten Testaments, der den Hammer benutzt, um den Felsen zu zerschmettern und Nationen zu richten, ist derselbe Gott, der in Christus Seine Macht manifestiert, Sünde und Tod zu zerschmettern. Der Unterschied liegt im Fokus: Im NT ist die Macht des Hammers vorrangig erlösend, indem sie durch Gnade wirkt, um das verhärtete Herz zu zerbrechen und einen neuen Geist zu schmieden.
Die Diskontinuität, wenn es eine gibt, liegt in der Personifizierung und der Natur des "Zerschmetterns". Der Hammer des Wortes in Jeremia zielte auf Überzeugung und Buße ab, aber auch auf Gericht. In Christus ist das Gericht über die Sünde durch Seinen Opfertod gesühnt, und der Hammer wirkt nun vorrangig zur Befreiung und Verwandlung. Er "hämmert" die Götzen des Herzens des Gläubigen, zerbricht die Ketten der Sünde und erbaut eine neue Schöpfung, gemäß 2. Korinther 5:17. Das Werk des göttlichen Hammers im NT ist daher untrennbar mit der rettenden Gnade Gottes in Jesus Christus verbunden.
3. Der Hammer in der paulinischen Theologie: die Grundlage der Erlösung
In der paulinischen Theologie ist das Wort Hammer zwar lexikalisch nicht prominent, aber das Konzept seiner Wirkung – Zerbrechen, Zerstören und Formen – ist grundlegend für die Heilslehre (ordo salutis). Paulus beschreibt den menschlichen Zustand als Knechtschaft unter Sünde und Tod, mit einem verhärteten Herzen, das nicht in der Lage ist, Gott zu suchen (Römer 3:10-18). In diesem Zusammenhang wird der Hammer Gottes in Seiner souveränen und gnädigen Wirkung für die Erlösung unentbehrlich.
Das Werk des Heiligen Geistes, das Paulus so sehr betont, kann als der göttliche Hammer gesehen werden, der die Härte des menschlichen Herzens zerbricht und es empfänglich für die Botschaft des Evangeliums macht. Der Apostel beschreibt die Predigt des Evangeliums als "Kraft Gottes zur Errettung" (Römer 1:16), eine Kraft, die die Abwehrkräfte des Unglaubens und der Selbstrechtfertigung zerschmettert und den Weg für Glauben und Buße bereitet.
3.1 Der Hammer, der Selbstrechtfertigung und Sünde zerbricht
Paulus stellt in seinen Briefen, besonders in Römer und Galater, die Errettung durch Gnade mittels Glauben dem Versuch der Errettung durch Werke des Gesetzes gegenüber. Der Hammer der göttlichen Wahrheit zerstört jeden Anspruch menschlichen Verdienstes und zerschmettert das Vertrauen in die eigene Gerechtigkeit. "Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme" (Epheser 2:8-9). Dies ist die Wirkung des Hammers Gottes, der den menschlichen Stolz und die Illusion der Selbstgenügsamkeit zerbricht.
Der Hammer Gottes wirkt auch in der Überzeugung von der Sünde. Bevor jemand errettet werden kann, muss der Heilige Geist die geistliche Blindheit und die moralische Gleichgültigkeit zerbrechen und die Tiefe der menschlichen Übertretung und die Notwendigkeit eines Retters offenbaren. Dies ist eine schmerzhafte, aber notwendige Arbeit, die das Herz bereitet, die Rechtfertigung zu empfangen. Wie Calvin lehrte, vergibt Gottes Gnade nicht nur, sondern verwandelt auch, und diese Verwandlung beginnt mit dem Zerschmettern der alten Natur.
3.2 Hammer in Rechtfertigung, Heiligung und Verherrlichung
In der Rechtfertigung wirkt der Hammer Gottes, um die Verdammnis der Sünde über den Gläubigen zu zerbrechen und ihn in Christus für gerecht zu erklären (Römer 5:1). Die Schuld wird zerschmettert, und der Friede mit Gott wird hergestellt. Dies ist ein souveräner Rechtsakt Gottes, bei dem die Kraft Seiner Gnade die Last der Übertretung entfernt. Die Rechtfertigung ist der entscheidende Schlag, der das Hindernis zwischen Gott und Mensch beseitigt und das neue Leben beginnen lässt.
In der Heiligung wirkt der Hammer weiter. Er zerbricht nicht nur die Fesseln der Sünde im Moment der Bekehrung, sondern zertrümmert weiterhin sündige Gewohnheiten, die Festungen des Fleisches und die Götzen des Herzens während des gesamten christlichen Lebens. "Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, und der Geist gegen das Fleisch; diese sind einander entgegengesetzt, so dass ihr nicht das tut, was ihr wollt" (Galater 5:17). Die Heiligung ist ein kontinuierlicher Prozess des Abbruchs des alten Menschen und des Aufbaus des neuen unter der Kraft des Heiligen Geistes. Der Gläubige ist aufgerufen, mit diesem göttlichen Hammer zusammenzuwirken und "die Werke des Leibes zu töten" (Römer 8:13).
Schließlich wird der Hammer Gottes in der Verherrlichung sein Werk vollenden, die Gegenwart und Macht der Sünde und des Todes vollständig zerschmettern und zur vollen Gleichförmigkeit mit dem Bild Christi führen. Dies ist das endgültige Ziel aller Erlösten, wo das Werk des göttlichen Hammers vollkommen und ewig sein wird.
4. Aspekte und Typen des Hammers
Die Symbolik des Hammers in der reformierten evangelischen Theologie kann in verschiedene Aspekte und "Typen" entfaltet werden, die die Komplexität und Reichweite des göttlichen Handelns offenbaren. Diese Unterscheidungen helfen uns zu verstehen, wie Gottes Macht sich auf unterschiedliche, aber miteinander verbundene Weise in der Schöpfung, der Vorsehung und der Erlösung manifestiert. Der Hammer Gottes ist nicht eindimensional, sondern vielschichtig in seiner Anwendung.
Wir können die Manifestationen des Hammers in einem allgemeineren Sinne, der die gesamte Schöpfung betrifft, und in einem spezifischeren Sinne, der sich direkt auf die Erlösung und das Leben des Gläubigen bezieht, kategorisieren. Diese Unterscheidung resoniert mit dem Konzept der allgemeinen Gnade und der besonderen Gnade, bei der Gott auf verschiedenen Ebenen handelt, um die Welt zu erhalten und die Auserwählten zu retten.
4.1 Der Hammer der allgemeinen Gnade und der besonderen Gnade
Der Hammer der allgemeinen Gnade bezieht sich auf Gottes Handeln, das die Welt erhält, das Böse einschränkt und allen Menschen, Gläubigen wie Ungläubigen, unterschiedslos Segnungen gewährt. Obwohl nicht direkt heilswirksam, verhindert diese Manifestation des Hammers, dass die menschliche Verdorbenheit die gesellschaftliche und moralische Ordnung vollständig zerstört. Durch Gesetze, Gewissen, Regierung und sogar Naturkatastrophen nutzt Gott Seine Macht, um Anarchie und Ungerechtigkeit zu "hämmern" und eine Ordnungsstruktur aufrechtzuerhalten. Das Wort Gottes in seiner Funktion als Moralgesetz wirkt als Hammer, um universelle Sünde zu offenbaren, selbst unter denen, die nicht wiedergeboren wurden (Römer 2:14-15).
Im Gegensatz dazu ist der Hammer der besonderen Gnade die Manifestation von Gottes Macht, die die Errettung der Auserwählten bewirkt. Dies ist der Hammer, der das steinerne Herz zerschmettert und es in ein fleischernes Herz verwandelt (Hesekiel 36:26), der die Herrschaft der Sünde und des Todes über den Einzelnen zerbricht. Es ist die unwiderstehliche Wirkung des Heiligen Geistes in der Wiedergeburt, das Zerbrechen des rebellischen Willens und die Schaffung einer neuen Natur. Dieser Hammer ist der Ausdruck der göttlichen Erwählung und des erlösenden Werkes Christi, der seine Segnungen auf jene anwendet, die vor der Grundlegung der Welt erwählt wurden (Epheser 1:4-5).
4.2 Hammer der Disziplin und des Aufbaus
Im Leben des Gläubigen manifestiert sich der Hammer Gottes als Disziplin und Aufbau. Die göttliche Disziplin, obwohl schmerzhaft, ist ein Hammer, der Aufsässigkeit und Sünde im Leben des Gotteskindes zerbricht und es zur Heiligkeit formt (Hebräer 12:5-11). Wie ein Schmied, der heißes Metall hämmert, um Unreinheiten zu entfernen und ihm Form zu geben, benutzt Gott Prüfungen und Korrektionen, um Seine Kinder zu reinigen und dem Bild Christi anzupassen. Spurgeon predigte häufig darüber, dass Leiden Gottes Werkzeuge sind, um uns zu polieren und zu läutern.
Parallel dazu ist der Hammer ein Instrument des Aufbaus. Das Wort Gottes, das den Felsen zerschmettert, erbaut auch Glauben und Charakter. Nachdem es die alte Struktur abgebrochen hat, baut es das Neue auf. Die treue Predigt des Evangeliums, die solide Lehre und der biblische Unterricht sind der Hammer, der die Kirche, Stein für Stein, auf dem Fundament Christi aufbaut (Epheser 4:11-16). Der Hammer des Wortes zerstört nicht nur Falschheit, sondern baut auch Wahrheit in die Herzen und Sinne der Gläubigen ein und stärkt sie in ihrem Glauben.
4.3 Zu vermeidende Lehrirrtümer
Beim Nachdenken über den Hammer Gottes ist es entscheidend, zwei entgegengesetzte Lehrirrtümer zu vermeiden: Antinomismus und Legalismus. Der Antinomismus, der das Gesetz und die Notwendigkeit der Heiligung vernachlässigt, versäumt es, den Hammer Gottes in seiner disziplinierenden Funktion und im fortlaufenden Zerbrechen der Sünde im Leben des Gläubigen zu erkennen. Er betrachtet die Gnade als eine Lizenz zur Sünde und übersieht, dass der Hammer der Gnade auch die Herrschaft der Sünde zerbricht.
Der Legalismus dagegen versucht, den Hammer Gottes in die eigenen Hände zu nehmen, indem er Lasten auferlegt und Werke zur Rechtfertigung fordert oder die Heiligung durch eigene Anstrengung sucht. Dies leugnet, dass der Hammer der Errettung ein Geschenk Gottes ist, das durch Seine souveräne Gnade und nicht durch menschliches Verdienst wirkt. Das Gleichgewicht liegt darin, Gottes souveräne Macht zu erkennen, zu zerbrechen und aufzubauen, und die Verantwortung des Gläubigen, sich diesem göttlichen Werk mit Glauben und Gehorsam zu unterwerfen.
5. Der Hammer und das praktische Leben des Gläubigen
Das theologische Verständnis des Hammers ist nicht bloß akademisch; es hat tiefgreifende Auswirkungen auf das praktische Leben des Gläubigen und prägt seine Frömmigkeit, Anbetung und seinen Dienst. Die Anerkennung der Wirkung des Hammers Gottes in unserem Leben führt uns zu einer Haltung der Demut, Abhängigkeit und des Gehorsams. Er erinnert uns daran, dass wir Ton in den Händen des Töpfers sind und dass der Formungsprozess mitunter das "Zerschmettern" unserer eigenen Willen und Widerstände erfordert.
Für den evangelisch-protestantischen Gläubigen ist das praktische Leben eine Antwort auf Gottes souveräne Gnade. Wenn Gott derjenige ist, der Halsstarriges zerbricht und Nützliches formt, dann muss die Haltung des Gläubigen eine ständige Hingabe an Sein Wort und Seinen Geist sein. Diese Anerkennung stärkt den Glauben und das Vertrauen in Gottes Güte und Souveränität, selbst inmitten von Prüfungen.
5.1 Unterwerfung unter den Hammer des Wortes und der Disziplin
Die erste praktische Konsequenz ist die demütige Unterwerfung unter den Hammer des Wortes Gottes. Das Wort als Hammer, der den Felsen zerschmettert (Jeremia 23:29), muss nicht nur als Belehrung, sondern als göttliches Instrument empfangen werden, um unsere Herzenshärte, unsere Vorurteile und unsere Selbstgenügsamkeit zu zerbrechen. Dies erfordert fleißiges Lesen, Meditation und aufrichtige Anwendung der Schriften. Der Gläubige muss dem Wort Gottes erlauben einzudringen und die Sünde zu offenbaren, damit Buße und Verwandlung stattfinden können.
Ebenso muss die Disziplin Gottes, sei es durch Prüfungen, Ermahnungen der Glaubensgemeinschaft oder Überzeugung des Heiligen Geistes, als der Hammer des liebenden Vaters willkommen geheißen werden, der uns zu unserem Besten korrigiert (Sprüche 3:11-12). Die Disziplin abzulehnen bedeutet, dem Hammer zu widerstehen, der uns formt. Der reife Gläubige flieht nicht vor der Korrektur, sondern nimmt sie als Teil des Heiligungsprozesses an und vertraut darauf, dass Gott für sein Wachstum und seine Gleichförmigkeit mit Christus wirkt.
5.2 Frömmigkeit, Anbetung und Dienst, geformt durch den Hammer
Das Bewusstsein des göttlichen Hammers prägt die Frömmigkeit des Gläubigen. Es erzeugt eine tiefe Ehrerbietung und Ehrfurcht vor Gott und erkennt Seine Macht und Souveränität an. Diese Frömmigkeit drückt sich in einer Anbetung aus, die Gottes Größe erhöht und nicht die menschliche Fähigkeit. Aufrichtiges Lob entspringt dem Verständnis, dass wir durch die Sünde zerbrochen und durch die Gnade neu gemacht wurden, durch den erlösenden Hammer Christi. Die Anbetung wird zu einem Akt der Hingabe und Dankbarkeit an den Gott, der uns verwandelt hat.
Im christlichen Dienst erinnert uns das Konzept des Hammers daran, dass die Kraft für den Dienst nicht in unseren eigenen Fähigkeiten, sondern in der göttlichen Befähigung liegt. Wir sind Werkzeuge in Gottes Händen, und es ist Sein Hammer, der geistliche Festungen zerbricht und Sein Reich aufbaut. Dies führt uns dazu, um Erweckung zu beten, das Evangelium mit Kühnheit zu predigen (denn es ist Gottes Hammer), und in Demut zu dienen, wissend, dass "nicht durch Heer und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen" (Sacharja 4:6). Die Kirche als Leib Christi ist berufen, ein Werkzeug des Hammers Gottes bei der Verkündigung des Evangeliums zu sein, das die Macht der Sünde und des Unglaubens in der Welt zerbricht.
5.3 Implikationen für die zeitgenössische Kirche und Ermahnungen
Für die zeitgenössische Kirche bietet die Lehre vom Hammer eine entscheidende Perspektive. In einer Zeit, die oft ein "sanftes" und konfrontationsfreies Evangelium sucht, muss die Kirche die Wahrheit bekräftigen, dass das Wort Gottes ein Hammer ist, der den Felsen zerschmettert. Dies bedeutet, treu und mutig zu predigen, Sünde und falsche Religion zu konfrontieren, aber stets mit Liebe und Abhängigkeit vom Heiligen Geist. Die Kirche sollte ein Ort sein, wo Herzen durch die Wahrheit gebrochen und durch die Gnade neu gemacht werden, nicht ein Ort oberflächlichen Trostes.
Wir ermahnen die Gläubigen, dem Hammer Gottes nicht zu widerstehen, sei es das Wort, das konfrontiert, die Disziplin, die korrigiert, oder die Prüfungen, die läutern. Lasst Gott in euren Leben wirken, das Zerbrechende zerbrechen und das zu Formende formen. Vertraut darauf, dass der Gott, der den Hammer benutzt, ein Gott der Liebe und des Zwecks ist, und dass Sein Werk in euch zu Seiner Herrlichkeit und zu eurem ewigen Wohl dient. "Der in euch angefangen hat das gute Werk, wird es vollenden bis auf den Tag Jesu Christi" (Philipper 1:6). Mögen wir uns mit Freude dem Hammer unseres großen Gottes unterwerfen, der uns zerbricht, um uns zum Bild Seines Sohnes neu zu machen.