Lutherbibel 1912
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Lutherbibel 1912 (LUTH1912)
Die Lutherbibel ist das wichtigste Werk der deutschen Reformationsgeschichte und eines der bedeutendsten Bücher der deutschen Sprach- und Kulturgeschichte überhaupt. Martin Luther (1483–1546) übersetzte das Neue Testament 1522 in nur elf Wochen auf der Wartburg, wohin er nach dem Wormser Reichstag in Schutzhaft genommen worden war. Die vollständige Bibel erschien 1534.
Luther übersetzte direkt aus den hebräischen und griechischen Originaltexten – aus dem Erasmus-Text für das Neue Testament und dem masoretischen Text für das Alte Testament. Er legte besonderen Wert darauf, eine Sprache zu verwenden, die dem einfachen Volk verständlich war. In seiner berühmten „Sendbrief vom Dolmetschen“ (1530) erläuterte er seine Übersetzungsprinzipien: Man müsse dem Volk aufs Maul schauen und nicht dem Latein nach übersetzen.
Luthers Bibelübersetzung hatte eine revolutionäre Wirkung auf die Entwicklung der deutschen Sprache. Sie trug maßgeblich zur Entstehung einer gemeinsamen deutschen Hochsprache bei und vereinte verschiedene regionale Dialekte zu einer einheitlichen Schriftsprache. Kein anderes Werk hat die deutsche Sprache, Literatur und Kultur stärker geprägt.
Die Revision von 1912 aktualisierte Rechtschreibung und einige sprachliche Formen behutsam, bewahrte aber bewusst den klassischen Charakter der Reformation. Sie wurde von deutschen protestantischen Kirchen bis ins 20. Jahrhundert hinein als Standardtext verwendet, bevor modernere Revisionen folgten.
Die Lutherbibel 1912 ist ein unersetzliches Dokument der deutschen Reformation und der protestantischen Identität und hat Generationen von Christen im deutschen Sprachraum begleitet.