Welche Bedeutung hat die christliche Taufe?
Die christliche Taufe ist das öffentliche, mit Wasser vollzogene Zeichen, durch das ein Glaubender bekennt, dass er zu Jesus Christus gehört und in seinen Tod und seine Auferstehung hineingenommen ist. Sie macht den Menschen nicht selbst zum Christen, so wie ein Ehering niemanden verheiratet; aber sie sagt vor Gott, der Gemeinde und der Welt sichtbar das, was im Herzen schon Wirklichkeit ist. Jesus hat sie nicht als fromme Empfehlung, sondern als Auftrag hinterlassen.
Was die Bibel über die Taufe sagt
Der klarste Anfangspunkt ist der Auftrag des Auferstandenen selbst. In Mt 28,19 sagt Jesus: "Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes." Die Taufe steht hier nicht am Rand, sondern im Zentrum des Auftrags an die Kirche. Wer Jünger macht, der tauft.
Schon das griechische Wort verrät die Sache. baptizo bedeutet eintauchen, untertauchen, ganz mit Wasser bedecken. Es ist die Sprache des Untergehens und Wiederauftauchens. Genau dieses Bild greift Paulus auf: "Wir sind ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln" (Röm 6,4). Die Taufe ist gespielter Tod und gespielte Auferstehung. Das alte Leben geht im Wasser unter, das neue steigt herauf.
Am Pfingsttag, als die Leute getroffen fragen, was sie tun sollen, antwortet Petrus knapp: "Tut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden" (Apg 2,38). Glaube, Umkehr und Taufe gehören in der frühen Gemeinde so eng zusammen, dass man sie kaum getrennt denken konnte. Wer glaubte, wurde getauft, und zwar bald.
Mehr als ein nasses Ritual
Warum aber Wasser? Warum reicht das Bekenntnis im Herzen nicht aus? Weil Gott uns als leibliche Menschen geschaffen hat und uns mit sichtbaren Zeichen begegnet. Die christliche Taufe ist ein solches Zeichen, das eine unsichtbare Gnade greifbar macht.
Die Bibel verbindet mit ihr mehrere Bilder zugleich, und keines davon allein erschöpft sie. Sie ist Reinigung von Schuld, ein Abwaschen der Sünden (Apg 22,16). Sie ist Einverleibung: "Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft" (1Kor 12,13) - Taufe ist nie Privatsache, sondern Eingliederung in die Gemeinde. Und sie ist das Anlegen eines neuen Kleides, denn "wie viele euer auf Christum getauft sind, die haben Christum angezogen" (Gal 3,27). Petrus fasst das Geheimnis so zusammen, dass die Taufe rettet "nicht das Abtun des Unflats am Fleisch, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott" (1Petr 3,21). Nicht das Wasser an sich wirkt, sondern der Glaube, der sich im Wasser an Gottes Verheißung bindet.
Häufige Missverständnisse
Ein erstes Missverständnis ist die Vorstellung, das Wasser selbst rette automatisch, fast magisch. Das lehrt die Schrift nicht. Der Schächer am Kreuz wurde nie getauft und hörte doch: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein" (Lk 23,43). Errettung kommt allein aus Gnade durch den Glauben (Eph 2,8-9). Die Taufe bezeugt diese Rettung, sie erkauft sie nicht.
Ein zweites Missverständnis macht aus ihr eine bloße Formalität, einen netten Brauch ohne Gewicht. Doch Jesus selbst ließ sich taufen, "auf dass wir erfüllen alle Gerechtigkeit" (Mt 3,15), und der Vater antwortete mit der Stimme vom Himmel. Wer die Taufe geringschätzt, geringschätzt einen ausdrücklichen Befehl des Herrn.
Drittens streiten Christen seit langem über das richtige Alter. Reformierte und lutherische Traditionen taufen Säuglinge und sehen darin die Fortführung des alttestamentlichen Bundeszeichens der Beschneidung (Kol 2,11-12); das Kind wird in den Bund der gnädigen Verheißung Gottes aufgenommen, noch ehe es selbst antworten kann. Baptistische und freikirchliche Traditionen taufen erst auf das persönliche Bekenntnis hin, weil im Neuen Testament Glaube und Taufe durchweg beieinanderstehen. Beide Seiten lesen ehrlich aus der Schrift, beide wollen Gottes Gnade ernst nehmen. Über das eine sind sich jedoch fast alle einig: Mittelpunkt ist nicht das Verfahren, sondern Christus, in den hinein getauft wird.
Warum die Taufe heute zählt
Für den, der zum Glauben gekommen ist, ist die Taufe kein optionaler Zusatz, sondern der erste Schritt des Gehorsams. Sie ist der Moment, in dem das Innere nach außen tritt und der Mund vor Zeugen sagt: Ich gehöre nicht mehr mir selbst, sondern dem, der für mich gestorben und auferstanden ist. In einer Welt, die Privatglauben gern duldet, solange er still bleibt, ist dieses sichtbare Bekenntnis ein heiliger Trotz.
Und sie ist Trost. An grauen Tagen, an denen das Gefühl der Errettung fehlt, ist die Taufe ein Gedächtniszeichen, an das man sich halten kann: Nicht meine Stimmung hat mich mit Christus verbunden, sondern Gottes Verheißung, einmal über mir ausgesprochen und mit Wasser besiegelt. Luther soll sich in der Anfechtung daran festgeklammert haben: "Ich bin getauft."
Im Wasser sehen wir am Ende nicht uns selbst, sondern ihn. Christus stieg in den Jordan zu den Sündern hinab und ließ sich schließlich in den tiefsten Tod hinab, damit wir mit ihm auftauchen ins Leben. Wer das begreift, sieht in der Taufe kein bloßes Ritual mehr, sondern das Evangelium, in einem Augenblick auf den Leib gemalt.
Wichtige Bibelstellen
Mt 28,19 · Röm 6,3-4 · Apg 2,38 · Gal 3,27 · 1Petr 3,21 · 1Kor 12,13 · Kol 2,11-12 · Mt 3,15-17
Häufige Fragen
Ist man ohne Taufe gerettet?
Nach dem Zeugnis der Bibel ist die Errettung Gottes Gnadengeschenk, das durch den Glauben empfangen wird, nicht durch das Taufwasser (Eph 2,8-9). Der Schächer am Kreuz wurde nie getauft und bekam dennoch von Jesus die Zusage des Paradieses (Lk 23,43). Die Taufe ist Ausdruck und Bestätigung des rettenden Glaubens, nicht dessen Bedingung. Wer glaubt, soll sich allerdings taufen lassen, denn Jesus hat es geboten (Mt 28,19). Die Taufe absichtlich zu verweigern, widerspricht dem Gehorsam, den der Glaube schenkt.
Sollte man Säuglinge oder nur Gläubige taufen?
Hier gehen treue Christen auseinander. Reformierte und lutherische Kirchen taufen Säuglinge und verstehen die Taufe als Bundeszeichen, das an die Stelle der Beschneidung tritt (Kol 2,11-12); das Kind wird in Gottes Verheißung aufgenommen. Baptistische und viele freikirchliche Gemeinden taufen erst nach persönlichem Bekenntnis, weil im Neuen Testament Glaube und Taufe stets zusammen erscheinen (Apg 2,38). Beide Seiten argumentieren ernsthaft aus der Schrift. Wichtig ist, die jeweils andere Sicht nicht als unbiblisch abzutun, sondern Christus als gemeinsame Mitte festzuhalten.
Muss man untergetaucht oder mit Wasser übergossen werden?
Das griechische Wort baptizo bedeutet eintauchen und legt das Untertauchen nahe, das auch das Bild von Begräbnis und Auferstehung am besten abbildet (Röm 6,4). Viele Gemeinden tauchen darum vollständig unter. Andere taufen durch Übergießen oder Besprengen mit Wasser, etwa wenn das Untertauchen praktisch unmöglich ist. Die Schrift schreibt nirgends eine exakte Wassermenge vor. Entscheidend ist nicht die Methode, sondern dass die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes geschieht (Mt 28,19) und Glaube sie trägt.
Kann man sich mehr als einmal taufen lassen?
Die Bibel kennt eine Taufe als einmaliges Eintreten in die Gemeinschaft mit Christus, vergleichbar mit der einen Geburt zum neuen Leben (Eph 4,5 spricht von 'einer Taufe'). Eine gültige Taufe muss darum nicht wiederholt werden, auch nicht nach geistlichen Tiefen. Manche lassen sich erneut taufen, wenn die erste Taufe ohne jeden Glauben geschah und sie das nachholen wollen; das ist eine Gewissensfrage. Grundsätzlich gilt: Die Taufe ruht auf Gottes treuer Verheißung, nicht auf der Stärke unseres Gefühls, und bleibt darum gültig.
Warum ließ sich Jesus selbst taufen, wenn er ohne Sünde war?
Jesus brauchte keine Vergebung, denn er war ohne Sünde. Auf die Frage des Johannes antwortete er dennoch, es müsse geschehen, 'auf dass wir erfüllen alle Gerechtigkeit' (Mt 3,15). Mit seiner Taufe stellte er sich an die Seite der Sünder, die er retten wollte, und nahm ihren Platz ein. So weihte er zugleich den Weg, den seine Nachfolger gehen sollten, und der Vater bestätigte ihn mit der Stimme vom Himmel und dem Herabkommen des Geistes (Mt 3,16-17). Seine Taufe deutet im Kleinen schon auf sein Hinabsteigen in Tod und Auferstehung.