Säge

Die Säge ist ein gezahntes Blatt zum Schneiden von Holz und Stein, eines der gewöhnlichen Werkzeuge von Bauleuten und Handwerkern in der biblischen Welt. Die Schrift erwähnt sie nur wenige Male und beschreibt sie nie genauer. Und doch ist jede Erwähnung lehrreich: die gesägten Steine der Palastbauten Salomos, die schwere Arbeit, die den Ammonitern nach Davids Krieg auferlegt wurde, Jesajas Bild von der Säge, die sich nicht gegen den brüsten kann, der sie zieht, und die Glaubenden aus Hebräer 11, die zersägt wurden.

Weil die Bibel über die Säge selbst wenig sagt, stützt sich dieser Artikel auf das, was die Texte tatsächlich aussagen, und auf das, was die Archäologie über antike Werkzeuge zeigt, und kennzeichnet deutlich, wo die Auslegung unsicher ist. Der Wert des Themas liegt weniger im Werkzeug als in dem, was Gott dadurch lehrt: die Würde ehrlicher Arbeit, Gottes Herrschaft über jedes Werkzeug, das er gebraucht, und die teure Treue derer, die für ihn gelitten haben.

1. Etymologie und Bedeutung

Das häufigste hebräische Wort ist megera (מְגֵרָה), belegt in 2. Samuel 12,31, 1. Könige 7,9 und 1. Chronik 20,3. Es wird meist mit dem Verb garar, schleifen oder ziehen, verbunden, was zur Arbeitsweise antiker Sägen passt: Viele schnitten auf Zug, nicht auf Stoß. In 1. Könige 7,9 erscheint das verwandte Verb in der Wendung mit Sägen gesägte Steine.

In Jesaja 10,15 steht ein anderes Wort, massor (מַשּׂוֹר), von einer Wurzel mit der Bedeutung sägen. Die beiden hebräischen Wörter scheinen praktisch gleichbedeutend zu sein. Im Neuen Testament gebraucht Hebräer 11,37 das griechische Verb prizō (πρίζω), sägen, in der Passivform epristhēsan, sie wurden zersägt.

2. Geschichtlicher Hintergrund und biblischer Gebrauch

Das Werkzeug in der Antike

Sägen waren lange vor Israel bekannt. Ägyptische Grabmalereien zeigen Zimmerleute, die Bretter mit Kupfer- oder Bronzesägen schneiden; das Holz ist an einen senkrechten Pfahl gebunden, während der Arbeiter das Blatt zieht. In der Eisenzeit wurden eiserne Blätter üblich, und Archäologen haben Sägefragmente an Fundorten im Land Israel entdeckt. Solche Sägen waren meist kurz, mit nur einem Griff, und die Zähne waren oft so gesetzt, dass sie schnitten, wenn die Säge zum Arbeiter hin gezogen wurde.

Stein wurde anders geschnitten. Für verhältnismäßig weichen Stein wie Kalkstein verwendete man große Blätter, manchmal ohne echte Zähne, die mit Sand als Schleifmittel hin und her gezogen wurden. Härterer Stein erforderte noch mehr Mühe. Dieser Hintergrund erklärt, warum gesägter Stein als kostbar und vornehm galt.

Die Bauten Salomos

Bei der Beschreibung der Palastbauten Salomos vermerkt der Geschichtsschreiber, dass all diese Bauten aus kostbaren Steinen waren, nach dem Maß behauen und mit Sägen gesägt, innen und außen (1. Könige 7,9). Die Einzelheit betont Güte und Genauigkeit der Arbeit: Die Blöcke waren auf beiden Seiten bearbeitet. Das passt zu der Notiz, dass die Steine für den Tempel schon im Steinbruch zugerichtet wurden, sodass man weder Hammer noch Beil noch irgendein eisernes Werkzeug beim Bauen im Haus hörte (1. Könige 6,7). Sägen gehörten also zu der sorgfältigen Vorbereitung, die das Haus Gottes und die königlichen Bauten ihrer Bestimmung würdig machte.

David und die Ammoniter

Nach der Einnahme von Rabba, der Hauptstadt der Ammoniter, heißt es in 2. Samuel 12,31, David habe das Volk darin herausgeführt und es an die Sägen, die eisernen Pickel und die eisernen Äxte gestellt und an den Ziegelöfen arbeiten lassen. Die Parallele in 1. Chronik 20,3 ist sehr ähnlich. Ältere Übersetzungen folgten einer Lesart des hebräischen Textes der Chronik (wajjasar, er zersägte) und verstanden den Text als Beschreibung von Folter, bei der die Menschen mit Sägen zerschnitten wurden. Die meisten neueren Übersetzungen lesen beide Stellen als Zwangsarbeit: Das Hebräische bei Samuel (wajjasem, er stellte) passt natürlich zu diesem Sinn, und der Unterschied in der Chronik könnte auf einem einzigen Buchstaben beruhen. Die Forschung ist weiterhin geteilt, und Ehrlichkeit verlangt, die Unsicherheit einzugestehen. In jedem Fall berichtet die Schrift das Geschehen, ohne es als Vorbild hinzustellen.

3. Wichtige Bibelstellen

Jesaja 10,15 ist der wichtigste theologische Gebrauch der Säge. Assyrien war als Rute des Zornes des HERRN gegen ein gottloses Volk erweckt worden (Jesaja 10,5-6), doch der assyrische König rühmte sich, aus eigener Kraft und Weisheit gesiegt zu haben (10,13-14). Gott antwortet mit Fragen: Vermag sich auch die Axt zu rühmen wider den, der damit haut, oder die Säge sich zu brüsten wider den, der sie zieht? Als ob der Stock den schwänge, der ihn hebt. Das Werkzeug hat keine eigene Kraft; es bewegt sich nur, wenn der Handwerker es bewegt. Dieselbe Stelle kündigt an, dass der HERR den Hochmut des Königs von Assyrien heimsuchen wird (10,12).

1. Könige 7,9 zeigt die Säge im Dienst von Schönheit und Ordnung. Gottes Volk baute mit Geschick, und die Bibel betrachtet sorgfältige Arbeit nicht als ungeistlich. Die Handwerker der Stiftshütte wurden für ihr Werk mit dem Geist Gottes erfüllt (2. Mose 31,1-5), und derselbe Geist der Sorgfalt prägt die Bauten Salomos.

2. Samuel 12,31 und 1. Chronik 20,3 erinnern daran, dass Werkzeuge auch den harten Wirklichkeiten von Krieg und Unterwerfung dienen können. Ob der Text Zwangsarbeit oder etwas Grausameres beschreibt, er gehört in eine Zeit in Davids Leben, die bereits durch seine Sünde mit Batseba und den Tod Urias verdunkelt war (2. Samuel 11-12). Der Bericht verschweigt die Härte jener Zeit nicht.

Hebräer 11,37 zählt zu den Glaubenszeugen solche, die gesteinigt, zersägt und durchs Schwert getötet wurden. Der Verfasser nennt nicht, wer zersägt wurde. Eine alte jüdische Überlieferung, später in Schriften wie der Himmelfahrt Jesajas und im Talmud bewahrt, sagt, der Prophet Jesaja sei unter König Manasse so getötet worden, der Jerusalem mit unschuldigem Blut füllte (2. Könige 21,16). Frühe christliche Schriftsteller wie Justin der Märtyrer wiederholten diese Überlieferung. Sie ist plausibel und weit verbreitet, steht aber nicht in der Schrift und sollte als Überlieferung, nicht als biblische Tatsache dargestellt werden.

4. Theologische Bedeutung

Die erste Lehre ist Gottes Herrschaft über seine Werkzeuge. Jesajas Säge kann sich das Holz, das sie schneidet, nicht als Verdienst zuschreiben. Völker, Herrscher und selbst Gottes Diener sind Werkzeuge in seiner Hand, und alle Ehre gebührt dem, der sie führt. Paulus sagt Ähnliches mit der Frage: Was hast du, das du nicht empfangen hast? (1. Korinther 4,7). Menschlicher Stolz, ob von Weltreichen oder von Einzelnen, vergisst die Hand, die das Werkzeug bewegt.

Die zweite Lehre betrifft die Arbeit. Die Säge ist ein gewöhnliches Werkzeug, und die nüchternen Erwähnungen in der Schrift zeigen, dass Handarbeit, Bauen und Handwerk ihren Platz in Gottes Welt haben. Ohne eine Symbolik zu erzwingen, darf man daran erinnern, dass der Sohn Gottes selbst in Nazareth als der Zimmermann oder Bauhandwerker bekannt war (Markus 6,3) und jahrelang mit seinen Händen arbeitete, bevor er öffentlich wirkte.

Die dritte Lehre handelt vom Leiden um des Glaubens willen. Hebräer 11 endet nicht nur mit Siegen. Neben denen, die Königreiche bezwangen und den Löwen den Rachen stopften, stehen die, die gefoltert, verspottet, gefangen gesetzt und zersägt wurden, Menschen, deren die Welt nicht wert war (Hebräer 11,33-38). Glaube misst sich nicht am sichtbaren Erfolg, sondern am Vertrauen auf Gottes Verheißung bis in den Tod. Und sie alle, sagt der Verfasser, haben das Verheißene nicht erlangt, weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet würden (11,39-40).

5. Nachwirkung und kanonische Bezüge

Die Säge erscheint nur an den wenigen genannten Stellen, doch ihre Bilder haben fortgewirkt. Jesajas Frage nach dem prahlenden Werkzeug wurde zu einem klassischen Ausdruck der Herrschaft Gottes über die Geschichte und wird oft zusammen mit Sprüche 21,1 und Daniel 4,31-32 angeführt. Das Wort zersägt aus dem Hebräerbrief hat die christliche Erinnerung an die Propheten als Märtyrer geprägt und verbindet das Leiden der Gläubigen des Alten Testaments mit der Ausdauer, die von Christen erwartet wird, die aufsehen sollen zu Jesus, der das Kreuz erduldete (Hebräer 12,1-2).

Die Beschreibungen gesägter Steine bei den Bauten Salomos helfen dem Leser außerdem, sich Größe und Güte der königlichen Bauvorhaben in Jerusalem vorzustellen, und sie stimmen mit Funden fein bearbeiteten Quadermauerwerks aus der Königszeit überein.

6. Anwendung für heute

Jesajas Säge lädt zur Demut ein. Welche Gaben, Stellung oder welchen Einfluss wir auch haben, wir sind Werkzeuge in den Händen eines größeren Meisters. Wenn es gut läuft, ist die rechte Antwort nicht, uns gegen ihn zu brüsten, sondern zu danken. Wenn wir uns nutzlos fühlen, dürfen wir bedenken, dass der Wert eines Werkzeugs in der Hand liegt, die es hält, und dass Gott gern gewöhnliche Werkzeuge gebraucht.

Die gesägten Steine Salomos ermutigen uns, unsere tägliche Arbeit sorgfältig zu tun. Ob im Büro, in der Werkstatt, im Klassenzimmer oder zu Hause: Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen (Kolosser 3,23). Treue in kleinen, unbeachteten Aufgaben ehrt Gott.

Und die Märtyrer aus Hebräer 11,37 rufen uns zur Ausdauer. Viele Gläubige leiden noch heute um Christi willen. Ihr Beispiel und vor allem das Beispiel Jesu, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete, stärken uns, damit wir nicht matt werden und den Mut nicht sinken lassen (Hebräer 12,2-3). Kein Leiden um seines Namens willen ist vergeblich, und die Verheißung einer besseren Auferstehung (Hebräer 11,35) steht fest.