2. Mose 39 beschreibt die Anfertigung der heiligen Kleidung für die Priester – des Ephods, des Brustschilds, des Obergewands, der Kopfbundes und der Leinenkleider – genau nach den Anweisungen, die Mose auf dem Berg erhalten hatte. Das Kapitel ist ein Zeugnis von Gehorsam und Präzision: „Wie der HERR dem Mose geboten hatte, so machten sie es“ (2Mo 39,1). Es schließt mit der Übergabe der fertigen Arbeiten an Mose, der sie segnet. In der Erzählung von der Stiftshütte markiert dieses Kapitel den Höhepunkt der menschlichen Mitarbeit am göttlichen Plan – ein Vorspiel auf die vollkommene Priesterschaft Christi.
Historischer Kontext
Das Buch Exodus wurde traditionell Mose zugeschrieben und entstand im Kontext des Auszugs Israels aus Ägypten (ca. 1446 v. Chr.). Kapitel 39 steht am Ende eines langen Abschnitts (2Mo 25–40), der den Bau der Stiftshütte und ihrer Ausstattung detailliert beschreibt. Nach dem Sündenfall mit dem Goldenen Kalb (2Mo 32) und der Erneuerung des Bundes (2Mo 34) wird nun die Arbeit am Heiligtum vollendet.
Die Kleidung der Priester war nicht nur funktional, sondern tief symbolisch. Der Ephod, das Brustschild mit den zwölf Edelsteinen und der Kopfbund mit der goldenen Platte „Heilig dem HERRN“ machten sichtbar, dass die Priester als Mittler zwischen Gott und Volk dienten. Die genauen Materialangaben – Gold, Purpur, Scharlach, feines Leinen – spiegeln die königliche Würde des Dienstes wider. Der kulturelle Hintergrund des Alten Orients kannte prächtige Gewänder für Tempeldiener, aber Israels Priesterkleidung war einzigartig: Sie trug die Namen der Stämme auf den Schultern und am Herzen, ein Bild der Fürbitte und Stellvertretung.
Vers für Vers
- 1:
„Aber den Ephod und das Obergewand machten sie von blauem und rotem Purpur und Scharlach und von gezwirnter Leinwand.“ Die Arbeit beginnt mit den heiligsten Gewändern. Der Ephod war eine schürzenartige Weste, die der Hohepriester über dem Obergewand trug. Die Farben – Blau (Himmel), Purpur (Königtum), Scharlach (Opfer) und Leinen (Reinheit) – deuten auf die Herrlichkeit Christi hin, der in seiner Person Himmel und Erde, König und Opfer vereint.
- 2:
„Und sie machten den Ephod aus Gold, blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter Leinwand.“ Die Einarbeitung von Goldfäden in das Gewebe war technisch anspruchsvoll und zeigte, dass der Dienst vor Gott mit dem Kostbarsten geschah. Gold symbolisiert Göttlichkeit und Reinheit – der Hohepriester trug gleichsam die Herrlichkeit Gottes auf seinen Schultern.
- 8:
„Und sie machten das Brustschild nach der Kunst des Webers, wie die Arbeit des Ephods, aus Gold, blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter Leinwand.“ Das Brustschild (Choschen) war ein quadratisches Tuch, das über dem Ephod getragen wurde. Es enthielt zwölf Edelsteine, jeder mit dem Namen eines Stammes Israels. Der Hohepriester trug das Volk vor Gott – ein Bild der Fürbitte, die Christus für die Seinen am Kreuz vollbrachte.
- 14:
„Und die Steine waren nach den Namen der Kinder Israel zwölf, nach ihren Namen, wie die Siegel gestochen, ein jeglicher nach seinem Namen, der zwölf Stämme.“ Die Namen waren eingraviert wie ein Siegelring – unauslöschlich. Gott vergisst sein Volk nicht. Jeder Name steht für eine Person, die vor Gott ins Gedächtnis gerufen wird. Im Neuen Bund sind die Namen der Erlösten im Buch des Lebens geschrieben (Offb 21,27).
- 22:
„Und er machte den Rock des Ephods, ganz von blauem Purpur, durch Weberarbeit.“ Das Obergewand des Hohepriesters war ein einfaches, durchgehendes Kleidungsstück aus einem Stück gewebt – ohne Naht. Dies erinnert an den Rock Christi, den die Soldaten nicht zerteilen wollten (Joh 19,23-24). Der Hohepriester trug ein Gewand, das die Einheit und Vollkommenheit des Erlösers vorausschattete.
- 27:
„Und sie machten die Leinenröcke, gewebt, für Aaron und seine Söhne.“ Die einfachen Leinenkleider der Priester standen im Kontrast zu den prächtigen Gewändern des Hohepriesters. Leinen symbolisiert Reinheit und Gerechtigkeit. Alle Gläubigen sind heute „Priester“ (1Petr 2,9) und haben durch Christus Zugang zum Heiligtum – bekleidet mit seiner Gerechtigkeit.
- 30:
„Und sie machten das Stirnblatt der heiligen Krone von feinem Golde und schrieben darauf mit Siegelstecher Schrift: Heilig dem HERRN.“ Die goldene Platte auf dem Kopfbund des Hohepriesters trug die Inschrift „Heilig dem HERRN“ (Kodesch laJHWH). Sie erinnerte daran, dass der Dienst nicht zur Ehre des Menschen geschah, sondern zur Ehre Gottes. Christus ist der wahrhaft Heilige, der sich selbst Gott geweiht hat.
- 32:
„Also ward vollendet das ganze Werk der Wohnung der Hütte des Stifts. Und die Kinder Israel taten alles, wie der HERR dem Mose geboten hatte; so taten sie.“ Dieser Vers ist der Höhepunkt des Kapitels: Der Gehorsam Israels war vollständig. Nicht ein Detail wurde ausgelassen. Das wiederholte „wie der HERR geboten hatte“ (neunmal in 2Mo 39) unterstreicht, dass wahre Anbetung auf Gottes Wort gegründet ist – nicht auf menschlicher Kreativität.
- 43:
„Und Mose sah das ganze Werk; und siehe, sie hatten es gemacht, wie der HERR geboten hatte; und er segnete sie.“ Mose prüfte die Arbeit und segnete das Volk. Der Segen war die Bestätigung, dass Gott in ihrer Mitte wohnen würde. Dieser Segen weist voraus auf den Segen Christi, der sein Werk am Kreuz vollendete und sprach: „Es ist vollbracht“ (Joh 19,30).
Schlüsselthemen
- Gehorsam als Antwort auf Gottes Gebot
- Die Priesterschaft als Bild der Fürbitte
- Heiligkeit und Schönheit im Gottesdienst
- Vorbereitung auf die Gegenwart Gottes
- Christus als der wahre Hohepriester
Anwendung
2. Mose 39 lehrt uns, dass Gott an der Art und Weise interessiert ist, wie wir ihm dienen. Die akribische Ausführung jedes Details zeigt, dass Anbetung nicht beliebig ist, sondern auf Gottes Offenbarung antwortet. Im Neuen Bund sind wir alle durch Christus zu Priestern berufen (1Petr 2,5). Das bedeutet nicht, dass wir äußere Riten nachahmen sollen, sondern dass wir unser Leben – mit all seinen Details – Gott als lebendiges Opfer darbringen (Röm 12,1).
Die Kleidung der Priester erinnert uns daran, dass wir nicht aus eigener Kraft vor Gott treten können. Der Hohepriester trug die Namen der Stämme auf seinen Schultern und an seinem Herzen – ein Bild dafür, dass Christus uns vor den Vater bringt. Wir müssen nicht selbst perfekt sein; wir sind in Christus „heilig dem HERRN“. Unser Dienst ist nicht Leistung, sondern Dankbarkeit für das vollbrachte Werk Jesu.
Häufig gestellte Fragen
Warum wird in 2. Mose 39 so viel Wert auf die Kleidung der Priester gelegt?
Die Kleidung war nicht nur Schmuck, sondern trug tiefe symbolische Bedeutung. Der Ephod, das Brustschild und der Kopfbund machten sichtbar, dass der Hohepriester als Mittler zwischen Gott und Volk diente. Jedes Detail – die Farben, die Edelsteine, die Inschrift – wies auf die Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes hin. Im Neuen Testament wird Christus als der wahre Hohepriester offenbart, der in vollkommener Reinheit für uns eintritt (Hebr 4,14-16).
Was bedeutet die Inschrift „Heilig dem HERRN“ auf dem Kopfbund?
Die goldene Platte auf der Stirn des Hohepriesters trug die Worte „Heilig dem HERRN“ (Kodesch laJHWH). Sie erinnerte daran, dass der gesamte Dienst im Heiligtum Gott geweiht war. Der Hohepriester trug diese Weihe sichtbar, um die Sünden des Volkes zu tragen (2Mo 28,38). Für Christen ist dies ein Bild dafür, dass wir durch Christus geheiligt sind und unser Leben Gott gehören soll (1Kor 6,19-20).
Warum wird in 2. Mose 39 so oft wiederholt, dass alles „wie der HERR geboten hatte“ gemacht wurde?
Die neunmalige Wiederholung dieser Formel in Kapitel 39 unterstreicht den vollkommenen Gehorsam Israels. Nach dem Sündenfall mit dem Goldenen Kalb (2Mo 32) zeigt dieser Gehorsam die Wiederherstellung der Beziehung. Es lehrt, dass wahre Anbetung nicht nach menschlichem Gutdünken geschieht, sondern nach Gottes Wort. Im Neuen Bund ist Jesus der vollkommen Gehorsame, der den Willen des Vaters bis zum Kreuz erfüllte (Phil 2,8).
Welche Bedeutung haben die zwölf Edelsteine auf dem Brustschild?
Die zwölf Steine trugen die Namen der zwölf Stämme Israels. Der Hohepriester trug das Volk vor Gott – auf seinen Schultern (Verantwortung) und an seinem Herzen (Liebe und Fürbitte). Dies weist auf Christus hin, der die Seinen vor den Vater bringt und für sie eintritt (Röm 8,34). Jeder Gläubige ist heute durch Christus vor Gott ins Gedächtnis gerufen – nicht aufgrund eigener Verdienste, sondern durch die Fürbitte des Hohepriesters.
Was können wir aus 2. Mose 39 für unseren Gottesdienst heute lernen?
Das Kapitel zeigt, dass Gott an der Qualität und Hingabe unseres Dienstes interessiert ist. Die Handwerker arbeiteten mit den besten Materialien und größter Sorgfalt. Für uns bedeutet das, dass wir Gott mit unserem ganzen Herzen dienen sollen – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Liebe. Gleichzeitig erinnert uns die Priesterschaft daran, dass wir nur durch Christus Zugang zu Gott haben. Unser Gottesdienst ist Antwort auf das vollbrachte Werk Jesu, nicht Versuch, uns Gottes Gunst zu verdienen.