Was sagt die Bibel über Eifersucht und Neid?

Die Bibel verurteilt Neid als Sünde und misst Eifersucht an ihrem Beweggrund: Gottes Eifer für sein Volk ist heilig, der Eifer des Paulus für die Gemeinden ist berechtigt, aber eine Eifersucht, die aus Stolz und Vergleichen entsteht, gehört zu den Werken des Fleisches. Ein und dasselbe Wort, hebräisch qin’ah und griechisch zēlos, kann Gutes wie Böses bezeichnen; erst der Zusammenhang zeigt, was eine Stelle meint.

Sind Eifersucht und Neid in der Bibel dasselbe?

Zum Teil. Das hebräische qin’ah (קִנְאָה) und das griechische zēlos (ζῆλος) bezeichnen eine heftige Leidenschaft, und die Übersetzungen wählen je nach Zusammenhang zwischen „Eifer“, „Eifersucht“ und „Neid“. Die hebräische Wurzel steht hinter dem Neid der Brüder Josefs (1. Mose 37:11) und Asafs (Ps 73:3), aber auch hinter dem großen Eifer des Herrn für Zion (Sach 8:2). Die griechische Wurzel zēl- begegnet im bitteren Neid von Jak 3:14 und 3:16 ebenso wie im Eifer des Paulus in 2. Kor 11:2.

Für den Neid im eigentlichen Sinn kennt das Griechische ein anderes Wort, phthonos (φθόνος), das an den Stellen des Neuen Testaments, an denen der Sinn eindeutig ist, immer ein Laster bezeichnet; Jak 4:5 ist eine umstrittene Lesart. Paulus rechnet es zu den Kennzeichen einer Menschheit, die fern von Gott lebt (Röm 1:29), und Petrus fordert die Gläubigen auf, es abzulegen (1. Petr 2:1). Gal 5:20-21 nennt beides in derselben Liste der Werke des Fleisches: Eifersucht (zēlos) und Neid (phthonos). Jesus zählte das „böse Auge“, einen Ausdruck, der meist mit „Neid“ übersetzt wird, zu dem, was aus dem Herzen kommt (Mk 7:21-22). Das zehnte Gebot geht schon an die Wurzel: Es verbietet, zu begehren, was dem Nächsten gehört (2. Mose 20:17).

Das heutige Deutsch trennt die beiden meist, und die Unterscheidung hilft, das eigene Herz zu prüfen. Eifersucht nennen wir die Angst, zu verlieren, was uns gehört: einen Ehepartner, einen Platz, die Zuneigung eines Menschen. Neid nennen wir die Missgunst gegenüber dem, was einem anderen gehört: seinen Gaben, seinem Segen, seiner Anerkennung. Diese Einteilung stammt von uns, nicht aus dem Wortschatz der Bibel, und im Alltag gehen beide ineinander über. Die Schrift beurteilt jeden Fall nach dem Beweggrund und nach dem Gegenstand des Verlangens.

Warum nennt Gott sich einen eifersüchtigen Gott?

„Der Herr heißt ein Eiferer; ein eifernder Gott ist er“ (2. Mose 34:14). Das hebräische Wort ist qanna’, und es steht dort, wo der Bund nach dem Abfall zum goldenen Kalb erneuert wird (2. Mose 32). Dasselbe Wort findet sich in 2. Mose 20:5 und 5. Mose 4:24.

Das ist nicht der Neid einer unsicheren Gottheit. Die Schrift beschreibt es in der Sprache der Ehe: Der Herr stellt sich als Ehemann seines Volkes vor (Jes 54:5; Hos 2:21-22), und Eifersucht ist die Antwort treuer Liebe auf Verrat. Gott kämpft nicht mit Rivalen auf seiner Ebene, denn es gibt keinen anderen Gott (Jes 45:5). Was er nicht hinnimmt, ist, dass sein Volk die Quelle des lebendigen Wassers gegen rissige Brunnen eintauscht (Jer 2:13). Es gibt also keinen Widerspruch zwischen dem Gott, der die Liebe ist (1. Joh 4:8), und dem eifersüchtigen Gott: Die göttliche Eifersucht ist das Gesicht einer Liebe, die das Herz nicht mit dem teilt, was zerstört. Jesus trug denselben Eifer in sich: Als er den Tempel reinigte, erinnerten sich seine Jünger daran, dass der Eifer um Gottes Haus ihn verzehrt (Joh 2:17; Ps 69:10).

Woran erkenne ich den Unterschied zwischen heiligem Eifer und sündiger Eifersucht?

Paulus sagt den Korinthern, dass er mit göttlichem Eifer um sie eifert, denn er hat sie einem einzigen Mann verlobt, Christus, um sie ihm als reine Jungfrau zuzuführen (2. Kor 11:2). Er will die Gemeinde nicht für sich, sondern für Christus bewahren. Das ist der erste Test: Guter Eifer sucht die Ehre Gottes und das Wohl des anderen, fleischliche Eifersucht dagegen sucht meine Stellung, meinen Platz, mein Ansehen. Aufrichtigkeit allein genügt nicht: Paulus räumt ein, dass die Seinen Eifer für Gott haben, aber ohne Erkenntnis (Röm 10:2), und er wirft denen, die um die Galater warben, um selbst im Mittelpunkt zu stehen, einen Eifer zu keinem guten Zweck vor (Gal 4:17). Ein Eifer, der erniedrigt, kontrolliert oder sich selbst in Szene setzt, hat sein Wesen verändert.

Die Schrift zeigt auch das Gegenteil selbstsüchtiger Eifersucht. Als Josua zwei Männern verbieten wollte, im Lager zu weissagen, fragte Mose, ob er um seinetwillen eifere, und sagte, er wünsche sich, dass alle im Volk des Herrn Propheten wären (4. Mose 11:26-29). Und als die Jünger Johannes des Täufers beunruhigt waren, weil Jesus mehr Zulauf hatte, antwortete dieser, dass Jesus wachsen müsse und er selbst abnehmen (Joh 3:26-30).

Derselbe Maßstab gilt in der Ehe. Das Hohelied vergleicht die Liebe in ihrer Stärke mit dem Tod und die Eifersucht in ihrer Härte mit dem Totenreich (Hld 8:6). Ausschließliche Treue zu erwarten, ist berechtigt. Aber das Handy des Ehepartners zu kontrollieren, Freundschaften zu verbieten und im Verdacht zu leben, ist kein Beweis von Liebe: Die Liebe, sagt Paulus, ist nicht neidisch, prahlt nicht und glaubt alles (1. Kor 13:4-7). Ist aus der Eifersucht Kontrolle oder Einschüchterung geworden, such dir Hilfe bei einem Pastor, einer Beraterin oder einer anderen qualifizierten Stelle, denn sie verletzt den anderen.

Was richtet der Neid in dem an, der ihn hegt?

Die Schrift zeigt den Neid bei der Arbeit, und seine Spur ist eine Spur des Verderbens. Die Brüder Josefs waren neidisch auf ihn (1. Mose 37:11) und verkauften ihn; Stephanus fasst zusammen, dass die Erzväter, vom Neid getrieben, Josef nach Ägypten verkauften (Apg 7:9). Saul begann David argwöhnisch zu beäugen, seit die Frauen sangen, Saul habe Tausende erschlagen und David Zehntausende (1. Sam 18:7-9). Pilatus erkannte, dass die Hohenpriester Jesus aus Neid ausgeliefert hatten (Mt 27:18). Die Geschichte von Kain und Abel gebraucht das Wort nicht, zeigt aber dieselbe Bewegung: Kain ergrimmte, weil Gott das Opfer seines Bruders ansah und seines nicht (1. Mose 4:4-5), und Johannes liest den Mord als Frucht böser Werke (1. Mose 4:8; 1. Joh 3:12).

Die Sprüche, der Prediger und Jakobus beziffern die Kosten. Neid lässt die Knochen morsch werden (Spr 14:30), und der Prediger stellt fest, dass vieles vom Streben des Menschen nach Erfolg aus dem Neid auf den Nächsten kommt, was er ein Haschen nach Wind nennt (Pred 4:4). Wer meint, Neid sei harmlos, weil ihn niemand sieht, vergisst, dass Jakobus ihn mit Unordnung und allem bösen Treiben verbindet (Jak 3:16). Paulus zählt ihn zu den Werken des Fleisches und warnt, dass die, die solches tun, das Reich Gottes nicht erben werden (Gal 5:19-21). Doch die Antwort ist weder Verzweiflung noch das Bemühen, sich etwas zu verdienen: Tit 3:3-5 erinnert die Gläubigen daran, dass sie selbst einst in Bosheit und Neid lebten und dass Gott sie nach seiner Barmherzigkeit gerettet hat, nicht um ihrer Werke willen. Und dasselbe Kapitel des Galaterbriefs lädt uns ein, im Geist zu wandeln, dessen Frucht Liebe, Freude und Friede ist (Gal 5:16 und 22-25).

Wie bekämpft man Neid und Eifersucht im Alltag?

Erstens: Behandle den Stich als Signal zum Handeln. Auch gläubige Christen sind sich uneinig, ob der erste Stich, bevor man ihm Raum gibt, schon Sünde oder noch Versuchung ist; in beiden Fällen zeigt Jakobus, wohin der Weg führt: Die Begierde empfängt und gebiert die Sünde (Jak 1:14-15). Der Moment zu handeln ist, wenn sie zum ersten Mal auftaucht, bevor sie sich zu Groll, Gerede oder Sabotage verhärtet. Asaf wäre beinahe gestrauchelt, als er die Übermütigen beneidete, denen es gut ging (Ps 73:2-3), aber er fand festen Boden, als er in das Heiligtum Gottes ging und das ganze Bild sah (Ps 73:16-17).

Einige Schritte, die die Schrift selbst anbietet:

  • Bekenne es offen. Neid versteckt sich gern hinter guten Argumenten, und Gott verheißt denen Vergebung, die ihre Sünden bekennen (1. Joh 1:9).
  • Hör auf, dich an anderen zu messen. Jeder prüfe sein eigenes Werk (Gal 6:4-5); als Petrus fragte, was aus dem geliebten Jünger werden solle (der traditionell mit Johannes gleichgesetzt wird), antwortete Jesus, das gehe ihn nichts an, und wiederholte den Ruf, ihm zu folgen (Joh 21:21-22).
  • Freu dich mit den Fröhlichen (Röm 12:15). Genau dem widersetzt sich ein neidisches Herz, und Übung schafft Gewohnheit. Paulus freute sich, dass Christus verkündigt wurde, selbst von Rivalen, die aus Neid predigten (Phil 1:15-18).
  • Lerne Genügsamkeit. Paulus sagt, er habe gelernt, in jeder Lage zufrieden zu sein (Phil 4:11-13), und Frömmigkeit mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn (1. Tim 6:6-8).
  • Erinnere dich an das, was du schon in Christus hast. Gott hat seinen eigenen Sohn für uns nicht verschont (Röm 8:32). Die Frage des Weinbergbesitzers, ob das Auge des Murrenden böse sei, weil er gütig ist (Mt 20:15), deckt die Wurzel vieler Neidgefühle auf: den Groll über die Güte, die einem anderen erwiesen wird.

Nichts davon ist eine Frage der Willenskraft. Es heißt, den Blick von dem abzuwenden, was ein anderer hat, und ihn auf den zu richten, der Christus ist, und den Geist um die Frucht zu bitten, die das Fleisch nicht hervorbringen kann. Wenn du dich heute beim Neid oder bei der Eifersucht ertappt hast, bring es zu Gott, der treu ist zu vergeben, und fang mit ihm von Neuem an.

Wichtige Bibelstellen

2. Mose 34:14 · 2. Kor 11:2 · Gal 5:19-21 · Spr 14:30 · Jak 3:14-16 · 1. Kor 13:4 · Ps 73:2-3 · Mt 20:15

Häufige Fragen

Ist Eifersucht in der Ehe Sünde?

Nicht unbedingt. Von seinem Ehepartner ausschließliche Treue zu erwarten, ist berechtigt, und Gott selbst stellt sich als der eifersüchtige Ehemann seines Volkes vor (Jes 54:5; Hos 2:21-22). Zur Sünde wird Eifersucht, wenn sie in grundlosen Verdacht, Kontrolle oder Einschüchterung umschlägt, denn das widerspricht der Liebe, die 1. Kor 13:4-7 beschreibt. Gibt es in der Beziehung Kontrolle oder Angst, such Hilfe bei einem Pastor, einer Beraterin oder einer anderen qualifizierten Stelle.

Ist es schon Sünde, Neid zu empfinden?

Die Schrift verurteilt Neid als Haltung des Herzens, nicht nur als Tat (Mk 7:21-22; Gal 5:21; 1. Petr 2:1); vgl. 2. Mose 20:17, das schon das Begehren verbietet. Auch gläubige Christen sind sich uneinig, ob der erste Stich, bevor man ihm Raum gibt, schon Sünde oder noch Versuchung ist (vgl. Jak 1:14-15); in beiden Fällen lautet der Rat, ihn rasch zu bekennen und nicht zu hegen (1. Joh 1:9).

Ist Neid eine der sieben Todsünden in der Bibel?

Neid steht auf der traditionellen Liste der sieben Todsünden, doch diese Liste stammt aus der kirchlichen Überlieferung, nicht aus einem einzelnen biblischen Text. Die Bibel verurteilt den Neid allerdings an mehreren Stellen, unter anderem in Gal 5:21 und 1. Petr 2:1.

Wie soll ich reagieren, wenn mich jemand beneidet?

Vergilt nicht Gleiches mit Gleichem: Röm 12:17-21 ruft dazu auf, das Böse mit Gutem zu überwinden. Beneidet zu werden kommt in der Bibel vor: Josefs Brüder beneideten ihn (1. Mose 37:11), Jesus wurde aus Neid ausgeliefert (Mt 27:18), und David hatte es mit Saul zu tun, der ihn argwöhnisch zu beobachten begann (1. Sam 18:8-9). Bleib demütig, vermeide Provokation (Gal 5:26) und überlass Gott, was nicht in deiner Hand liegt.

Darf ich das begehren, was ein anderer von Gott empfangen hat?

Es kommt darauf an, was du begehrst und warum. In den Gaben wachsen zu wollen, um zu dienen, ist berechtigt: Paulus forderte die Korinther auf, nach den Geistesgaben zu streben, die die Gemeinde erbauen (1. Kor 14:1 und 14:12; vgl. 1. Kor 12:31). Gläubige Christen sind uneinig darüber, ob Prophetie und andere Zeichengaben heute fortbestehen; der Grundsatz, Gaben zu begehren, um andere aufzubauen, gilt in beiden Fällen. Aber zu begehren, was einem anderen gehört (2. Mose 20:17), oder den Segen zu beneiden, den er empfangen hat (Mt 20:15), ist das Verlangen, das die Schrift verurteilt. Jakobus merkt an, dass wir oft nicht haben, weil wir nicht bitten (Jak 4:2), und dass manche in schlechter Absicht bitten, um es für ihre Lüste zu verschwenden (Jak 4:3); zu bitten, um dem Leib Christi zu dienen, ist eine Anwendung dieses Grundsatzes, nicht das, was der Vers selbst sagt.