Schuni
Schuni war ein Sohn Gads und damit ein Enkel Jakobs. Sein Name erscheint in der Liste der Familie Jakobs, die nach Ägypten hinabzog (1. Mose 46,16), und noch einmal bei der Zählung im Jordantal der Moabiter am Ende der Wüstenzeit, wo er als Stammvater der Sippe der Schuniter im Stamm Gad genannt wird (4. Mose 26,15).
Mehr sagt die Schrift nicht unmittelbar über ihn. Die Bibel überliefert kein Wort, keine Tat und keine Einzelheit aus seinem Leben, und es wäre falsch, etwas zu erfinden. Dennoch ist sein Platz in den Geschlechtsregistern nicht bedeutungslos. Durch ihn und seine Brüder nahm die Verheißung an Abraham die Gestalt wirklicher Familien an, und die Sippe, die seinen Namen trug, gehörte zu dem Israel, das aus Ägypten auszog, die Wüste durchquerte und sich östlich des Jordans niederließ.
Dieser Artikel stellt dar, was sich mit Sicherheit sagen lässt, den Zusammenhang, der zum Verständnis hilft, und die Lehren, die eine so kurze Erwähnung dem Bibelleser dennoch geben kann.
1. Etymologie und Bedeutung des Namens
Der hebräische Name lautet Schuni (שׁוּנִי). In 4. Mose 26,15 heißt die von ihm abstammende Sippe ha-Schuni (הַשּׁוּנִי), „der Schuniter“, eine Herkunftsbezeichnung, die im Hebräischen fast genauso aussieht wie der Personenname. Deutsche Übersetzungen geben die Sippe als „die Schuniter“ wieder.
Die Bedeutung des Namens ist unsicher. Anders als die Namen der Söhne Jakobs, die das erste Buch Mose einzeln erklärt, werden die Namen der Enkel Jakobs ohne Erklärung genannt. Einige ältere Nachschlagewerke vermuteten Verbindungen zu verschiedenen hebräischen Wurzeln, doch keiner dieser Vorschläge ist gesichert, und es ist besser zuzugeben, dass wir nicht wissen, was der Name für die bedeutete, die ihn gaben. Sicher ist, dass er an beiden Stellen, an denen er vorkommt, in derselben Form überliefert ist, während die Namen einiger seiner Brüder abweichen.
2. Historischer Kontext und biblische Erzählung
2.1 Familiäre Herkunft und Genealogie
Schunis Vater Gad war der siebte Sohn Jakobs und der erste Sohn Silpas, der Magd, die Laban Lea gegeben hatte (1. Mose 30,9-11). Lea nannte das Kind Gad, ein Wort, das mit Glück verbunden ist, weil sie in seiner Geburt ein Zeichen des Segens sah. Gads leiblicher Bruder war Asser (1. Mose 30,12-13).
Das erste Buch Mose nennt sieben Söhne Gads, und Schuni steht an dritter Stelle (1. Mose 46,16). Dieselben sieben erscheinen in 4. Mose 26,15-17, jeder als Haupt einer Sippe, mit kleinen Abweichungen in der Schreibung einiger Namen und einem Bruder, der unter einem anderen Namen geführt wird. Über Schunis Mutter, seine Frau oder seine Kinder wird nichts gesagt. Die Bibel nennt weder sein Alter noch irgendein Datum, das mit ihm verbunden ist.
2.2 Wichtigste Ereignisse
Das einzige Ereignis, an dem Schuni teilhat, ist der Zug der Familie Jakobs nach Ägypten. Als die Hungersnot Kanaan traf und Josef seinen Vater einlud, sich im Land Goschen niederzulassen, sprach Gott in Beerscheba zu Jakob: Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn dort will ich dich zum großen Volk machen (1. Mose 46,3). Schuni zog mit seinem Großvater, seinem Vater und seinen Onkeln hinab. Der Text zählt ihn zu den sechzehn Nachkommen Silpas (1. Mose 46,18) und zur Gesamtzahl der siebzig Seelen des Hauses Jakob, die nach Ägypten kamen (1. Mose 46,27).
Danach schweigt die Bibel über ihn als Einzelperson. Wenn sein Name wieder erscheint, sind Jahrhunderte vergangen, Israel ist versklavt und befreit worden, und das Volk lagert im Jordantal der Moabiter. Bei der zweiten Zählung gebot der Herr Mose und Eleasar, das Volk nach Sippen zu zählen, und dort erscheinen die Schuniter als eine der sieben Sippen Gads (4. Mose 26,1-4.15). Der Stamm Gad zählte damals 40.500 wehrfähige Männer (4. Mose 26,18), weniger als die 45.650 der ersten Zählung (4. Mose 1,24-25). Die Zahlen der einzelnen Sippen werden nicht genannt, daher wissen wir nicht, wie groß die Schuniter waren.
Die Schuniter teilten die Geschichte ihres Stammes. Gad bat zusammen mit Ruben Mose um das Weideland östlich des Jordans, weil sie viel Vieh hatten, und erhielt es unter der Bedingung, dass ihre Kämpfer mit hinüberzogen und bei der Eroberung Kanaans halfen (4. Mose 32,1-33). Die Gaditer hielten ihr Wort (Josua 4,12-13; 22,1-9), und ihr Erbteil wird in Josua 13,24-28 beschrieben. Es liegt nahe anzunehmen, dass die Sippe der Schuniter in diesem Gebiet lebte, doch die Bibel verortet sie nicht genauer.
3. Charakter und Rolle in der biblischen Erzählung
Die Bibel beschreibt Schunis Charakter nicht. Es gibt keine Rede, keine Handlung und keine Bewertung von ihm, weder positiv noch negativ. Jeder Versuch, seine Persönlichkeit zu schildern, wäre Spekulation, und eine treue Auslegung muss das offen sagen.
Seine Rolle in der Erzählung ist die eines Gliedes in der Geschlechterfolge. Die Listen in 1. Mose 46 und 4. Mose 26 sind kein Beiwerk. Sie zeigen, dass die Familie, die als kleines Haus von siebzig Seelen nach Ägypten zog, zu einem Volk wurde, das in Stämme und Sippen gegliedert war, genau wie Gott es verheißen hatte. Schuni steht an einem dieser Übergänge: ein Enkel Jakobs, dessen Name zum Namen einer Sippe wurde.
4. Theologische Bedeutung
4.1 Gottes Treue in den Geschlechtsregistern
Die beiden kurzen Erwähnungen Schunis stehen am Anfang und am Ende einer langen Geschichte. In 1. Mose 46 ist er einer der wenigen, die nach Ägypten hinabziehen; in 4. Mose 26 kennzeichnet sein Name eine Sippe eines Volkes, das im Begriff ist, in das verheißene Land einzuziehen. Dazwischen liegt die Erfüllung von Gottes Wort an Jakob: dort will ich dich zum großen Volk machen. Schunis Name bezeugt still, dass Gott getan hat, was er gesagt hat.
4.2 Bei Gott mit Namen genannt
Die Schrift bewahrt die Namen vieler Menschen, über die sie fast nichts sagt. Das erinnert daran, dass Gott sein Volk nicht als namenlose Masse behandelt. Durch den Propheten sagt er zu Israel: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein (Jesaja 43,1). Die Überlieferung eines Namens wie Schuni ist ein kleines Zeichen dieser Fürsorge, auch wenn man sie nicht mehr bedeuten lassen sollte, als der Text sagt.
4.3 Der Stamm in den Segensworten
Schunis Nachkommen gehörten zu einem Stamm, der in der Schrift eigene Worte empfing. Jakob sagte voraus, dass Kriegshaufen Gad bedrängen würden, er aber ihnen auf der Ferse nachdrängen werde (1. Mose 49,19), und Mose lobte den Stamm, weil er mit Israel die Gerechtigkeit des Herrn vollzog (5. Mose 33,20-21). In der Offenbarung werden aus dem Stamm Gad zwölftausend versiegelt (Offenbarung 7,5). Die Bibel wendet diese Worte nicht eigens auf die Schuniter an, doch sie gehörten zu dem Volk, das sie empfing.
5. Vermächtnis und kanonische Bezüge
Schuni wird nur an zwei Stellen mit Namen erwähnt. In 1. Mose 46,16 erscheint er unter den Söhnen Gads, die mit Jakob nach Ägypten zogen. In 4. Mose 26,15 wird er bei der Zählung im Jordantal der Moabiter als Stammvater der Sippe der Schuniter genannt. In der Liste der Gaditer in 1. Chronik 5,11-17, die andere Namen aus späterer Zeit festhält, kommt er nicht vor. Diese beiden Verse sind alles, was die Bibel über ihn sagt, und dieser Artikel hat sich bemüht, nichts hinzuzufügen.
Die Schuniter sind nicht mit den Bewohnern von Schunem zu verwechseln, einer Stadt im Gebiet Issachars (Josua 19,18). Von dort stammten Abischag, die Schunemiterin (1. Könige 1,3), und die Schunemiterin, die Elisa aufnahm (2. Könige 4,8-37). Die Wörter klingen ähnlich, haben aber mit dem Sohn Gads nichts zu tun.
6. Anwendung für heute
Schuni lehrt uns etwas Einfaches und Wichtiges: Treue hinterlässt nicht immer einen langen Bericht. Die meisten Gläubigen werden ihre Geschichte nicht in Büchern erzählt sehen, und doch ist jeder von ihnen Gott mit Namen bekannt. Ein Leben im gewöhnlichen Gang von Familie, Arbeit und Gemeinschaft ist nicht vergeudet, wenn es in Gottes Absicht gelebt wird.
Seine kurze Geschichte ruft uns auch zur Ehrlichkeit beim Bibellesen. Es ist verlockend, Schweigen mit Fantasie zu füllen, doch Ehrfurcht vor der Schrift heißt, anzunehmen, was sie sagt, und sie nicht mehr sagen zu lassen. Das Schweigen über Schuni lenkt den Blick vom Menschen weg auf den Gott, der seine Verheißungen über Generationen hinweg hält.
Schließlich erinnern die Geschlechtsregister daran, dass Gott durch Familien und Generationen wirkt. Was wir an Kinder und Enkel weitergeben, ist wichtig. In Christus werden alle, die glauben, Teil einer größeren Familie, und ihre Namen sind im Himmel geschrieben (Lukas 10,20). Das ist ein größerer Grund zur Freude als jeder Ruhm auf Erden.